Viel Sonne, viel Hitze, viel gesehen, aber viel wenig Wind. Das ist kurz das Fazit des diesjährigen Segeltörns des WSVG vom 13.- 20.07.2018.

Die Crew der Shadow

Mit der Yacht Shadow starten am Samstag Michael, Paul-Peter, Adolf, Winfried, Co-Skipper Gerd und Skipper Jürgen von Workum, Marina „it Soal“ . Die Yacht Shadow, eine Bavaria 37, die mit ihren elf Jahren schon etwas in die Jahre gekommen ist, präsentiert sich aber noch gut in Schuss. Erstes Ziel ist die Insel Vlieland, darum geht es zunächt zur gemeinsamen Ansteuertonne Workum-Hindeloopen.
An der Schleuse Kornwerderzand fallen die Bunkeranlagen aus dem zweiten Weltkrieg auf. Diese sollten den Abschlussdeich sichern. Wir machen den Umweg um die Insel Richel herum, denn die Wassertiefe auf dem direkten Weg könnte knapp werden. Vor dem Hafen von Oost-Vlieland herrscht starke Strömung und die Einfahrt ist eng. Doch wir schaffen es problemlos in einem Rutsch. Mit einem Abendspaziergang genießen wir den malerischen Sonnenuntergang am Strand und besuchen das Dorf mit der mit Bäumen gesäumten Dorfstraße. Es gibt kaum Autos, denn nur die Bewohner dürfen auf der Insel ihre Autos nutzen.

Schleuse Kornwerderzand

Sonntag geht es um die Insel Texel herum nach Den Helder. Wir nehmen die Abkürzung durch das Molengatt, eine Passage zwischen Texel und der Sandbank Noorderhaaks. Alle Sinne richten sich auf Tiefenmesser und Tonnen, denn die schmale Rinne hat ihre Tücken.

Am Strand von Texel liegen Seeehunde faul in der Sonne und lassen es sich gut gehen. Kurs Den Helder müssen wir kreuzen, doch die Strömung ist stärker als der Wind und wir kommen kaum voran. Schweren Herzens werfen wir den Motor an. Der Hafen von Den Helder ist von Kriegsschiffen geprägt. Wir bleiben auf der Tidenseite beim Koninklijke-Marine-Jachtclub. Im Clubhaus gibt es preiswertes Essen mit Meerblick.
Am Montag geht es Richtung Amsterdam an Hollands Westküste entlang. Eine Kegelrobbe schaut uns

Abkühlung in der Nordsee

neugierig an. Der Wind wird schwächer und wir kommen kaum voran. Die Sonne brennt. Da kommt der Wunsch auf, einen Badestopp einzulegen: Also Segel runter und Motor aus. Weil die Stömung gering ist, brauchen wir keine Anker auszuwerfen. Lediglich eine Leine dient zur Sicherung der Schwimmer und bremst leicht das Boot. Ein Schweinswal taucht kurz auf. Seine Rückenflosse ähnelt einem Hai, deshalb machen Scherze die Runde. Weiter geht es Richtung Süden. Bei Ijmoiden mündet der Noordzeekanaal. Hier gibt es einen Sportboothafen. Angesichts der schon späten Stunde beschließen wir hier zu bleiben. Mutige Kinder springen ca. fünf Meter tief in das Becken neben uns von einem Geländer oberhalb: Mal ein etwas anders Hafenkino. Der Weg zum Hafenbüro und den Toiletten ist mit 800 Metern relativ weit. Den Hafen kann man nur mit Codekarten betreten.
Am Dienstag geht es nun Richtung Amsterdam. Im Kanal herrscht viel Verkehr. Eine Newcastle-Fähre dreht und wir müssen warten. Nach der Schleuse geht es vorbei an einer Skischule im Indoor Snowcenter. Amsterdam kündigt sich mit seinen Industriehäfen an. Hohe Bürogebäude zeigen, dass wir die Stadt bald erreichen. Der Sixhaven wird angesteuert. Da wir früh dran sind,

Der Sixhaven Amsterdam

bekommen wir einen schönen Platz längsseits am Steg. Der Hafenmeister in Uniform ist sehr nett. Kommt ein Boot herein, setzt er seine Schirmmütze auf und macht sich notfalls mit einer Pfeife bemerkbar. Wir betrachten den Hafen schon ziemlich als voll, doch der Hafenmeister meint, er könne noch locker fünfzig Boote unterbringen. Amsterdam ist sehr belebt und wir machen einen Rundgang zu den Grachten. Ein kühles Bier hilft, die Hitze zu ertragen.
Mittwoch – Mit Motorunterstützung geht es nach Hoorn. Wir sehen Schiffe, die Wasserpflanzen am Ende des Kanals ernten. Um die Halbinsel Marken herum, etwa ab Höhe Volendam, hört sich der Diesel etwas anders an. Die Leistung lässt nach. Auf der Seekarte ist der Hinweis „Wasserpflanzen“ vermerkt. Nach einem Stopp wird der Rückwärtsgang kräftig eingelegt. Tatsächlich kommen Pflanzenreste hoch. Danach hat der Motor wieder Kraft. Leider nicht allzu lange. Den Vorgang müssen wir mehrfach wiederholen. Schon von weitem ist der Hauptturm Hoorns zu erkennen. In dieser Stadt wurde Willem

Der Hafen Hoorn

Schouten geboren, der Entdecker Kap Hoorns. Nun kann man sich denken, woher der Name der Südspitze Amerikas kommt. Wir legen im Vluchthaven an und quirlen die Reste der Pflanzen nach oben. Die Straßen von Hoorn sind erfüllt vom Klang eines typisch holländischen Glockenspiels, das mehr als zwanzig Minuten andauert. Die Groote Kerk fällt durch ihre Dachfenster auf. Dort befinden sich Wohnungen. Auch einen Markt gibt es darin.
Am Donnertag wollen wir abends wieder den Heimathafen Workum erreichen. Dazu müssen wir zunächst durch die Schleuse Krabbersgat des Houtribdijk bei Enkhuizen. Natürlich nutzen wir die Gelegenheit eines Landgangs und legen im Buitenhaven an. Nach einem Besuch des Oude Havens genießen wir Kibbeling und Patat. Dohlen schauen uns dabei zu und freuen sich über jeden Krümel, der herunterfällt.
Auf den letzten Seemeilen nach Workum frischt der Wind endlich auf. Bei Windstärke 4 macht das Segeln Spaß und der kühlende Amwind erfrischt beim Kreuzen. Kurz noch den Tank füllen und dann mit dem Ankunftsbier auf den Holland-Törn anstoßen. Am Freitag kurz und problemlos das Boot übergeben und wieder in die Heimat.

Fotos: Winfried Nagel und Jürgen Loos