Freitag, 15.05.2015, Heiligenhafen

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Die Seerose hat eine bequeme Badeplattform und zwei Steuerräder

– Winfried und Reinhard kommen von Burgsteinfurt nach Epe, um mich abzuholen. Da erreicht uns ein Anruf von Gerd, ob wir noch ein paar Sachen mitnehmen können. Das können wir und so kommt er nach Epe und bringt neben einigen Vorräten auch die schon traditionellen Gyros-Burger von Ingrid mit. Wir fahren schon mal los. Gerd, Thomas und Andreas kommen später nach. Auf dem Rastplatz Grundbergsee lassen wir uns die Gyros-Burger schmecken. Gegen 18 Uhr erreichen wir den Yachthafen Heiligenhafen. Es herrscht etwas Trubel auf dem Parkplatz und vor dem Büro. Man fragt uns nach dem Namen unserer Yacht: Seerose, eine Bavaria 37. „Das ist etwas ganz Besonderes“ bekommen wir zu hören. Wir können sie sofort beziehen und sind erst die dritten Benutzer. Das merken wir, als wir die Tür öffnen. Eine unsichtbare Wolke aus ausgedünstetem Kunststoff schlägt uns entgegen. Erst mal alle Luken auf. Inzwischen sind auch Gerd, Thomas und Andreas eingetroffen. Über eine „Eimerkette“ wird der Kahn beladen. Bald merken wir, dass diese Yacht nicht so praktisch aufgebaut ist wie die, die wir früher nutzten. Ich teile mir mit Reinhard die Steuerbord-Koje am Heck und nehme die kurze Seite, die durch den Motorraum verkleinert ist. Dort gibt es nicht einmal eine Ablage. Außerdem ist sie nur 1,65 m lang. Zu meinem Erschrecken stelle ich fest: ich habe meinen Schlafsack vergessen. Also zum Büro und fragen, was man da machen kann. Kein Problem, höre ich. Der nette Junge kommt mit einem blauen Sack voller Utensilien an: Bettzeug und Handtücher.“ Damit schlafen Sie 1. Klasse“, meint er und knöpft mir 25 € ab. Die Crew schaut etwas ungläubig, womit ich dann meine Schlafstatt ausrüste. „Das ist die Ausstattung für den Skipper“ erkläre ich den Luxus. Wie im letzten Jahr wollen wir die Pizzeria „Porto Santo“ aufsuchen. Doch die hat anscheinend dicht gemacht. Ein paar hundert Meter gibt es noch eine. Diese ist ebenfalls gut und so beenden wir gemütlich den ersten Tag.

Samstag, 16.05.2015 – Ziel Schilksee – 48 Seemeilen

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Bei Windstärke 7 macht es erst richtig Spaß

Der Tag beginnt diesig und kalt. Unterwegs geht die Windstärke auf 5 bis 6.Über Funk sendet Radio Lyngby „Gale Warning“ auf Kanal 16. Wir erfahren auch über ein verlorenes Schlauchboot, das der Seegang abgerissen hat. Der Horizont wird danach abgesucht. Das wäre doch eine besondere Herausforderung, ein herrenloses Schlauchboot bei Windstärke 6 zu bergen! Doch eine Stunde später wird es von einer anderen Crew geborgen und kann vom Besitzer in Kiel abgeholt werden. So werden wir etwas durchgeschüttelt und erreichen mit einem kurzen Nieselregen zum Schluss den Yachthafen Schilksee mit dem ehemaligen Olympiazentrum. Der Bohneneintopf von Thomas Mutter wärmt, beruhigt den Magen und schmeckt gut.

Sonntag, 17.05.2015 – Ziel Kappeln an der Schlei – 25 Seemeilen

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Einlaufen in Kappeln

Der Wind hat sich morgens mit Stärke 3 bis 4 etwas beruhigt. Die Sonne scheint und das Frühstück schmeckt. Der eifrige Gerd spült das Deck ab. Dabei beachtet er nicht meine offene Luke. Ein dicker Strahl Wasser ergießt sich in unsere Koje und in meine offene Reisetasche. Die Reling und die Großschot dienen daraufhin als Wäscheleine. Bei dem Wetter trocknet es schnell. Auf See steigt die Windstärke stetig bis zu sieben. Lyngby-Radio meldet wieder „Gale Warning“. Reinhard geht es nicht besonders gut. Nach den SKS Prüfungsfragen soll man jemanden, der unter Seekrankheit leide,t beschäftigen und zum Horizont schauen lassen. So übernimmt er fast den gesamten Trip das Ruder. In Kappeln gehen gerade die Kappelner Heringstage zu Ende. Von Heringen ist nicht viel zu sehen. Ich glaube auch nicht, dass im Heringszaun, der Reuse vor der Brücke auch noch viel gefangen wird. So sind die Heringstage eine Art kleine Kirmes. Sonjas Kartoffelgratin mundet uns zum Abendessen auch ohne Heringe.

Montag, 18.05.2015 – Ziel Sønderborg – 24 Seemeilen

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Ein Bierchen in Sønderborg

Der Morgen beginnt hektisch. Der Schlüssel für die Toiletten und Waschräume, den wir vom Hafenmeister bekommen haben, hängt nicht am vereinbarten Platz über dem Kartentisch. Ein Schussel hat ihn in seiner Jackentsche, wie sich später herausstellt. Da in Kappeln am Kai wenig los ist, können zwanzig Minuten Wartezeit vor dem Klo relativ lang werden. Ab da beschließen wir, uns nicht mehr mit nur einem Schlüssel oder der Karte zufrieden zu geben. Die Fahrt verläuft dagegen ruhiger. Wie schon nach Schilksee bekommen wir zum Schluss noch Nieselregen ab. Doch diesmal hört er nicht auf. Sønderborg zeigt sich von seiner nassen Seite. Wir liegen im Stadthafen, gehen ins Einkaufszentrum und trinken dort ein Bier. Abends gibt es Ingrids Fusilli Bolognese mit Rotwein, was für mediterranes Flair sorgt.

Dienstag, 19.05.2015 – Ziel Faaborg – 32 Seemeilen

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Auf Kurs Faaborg

Aufwachen in Sønderborg im Sonnenschein, der aber wieder verschwindet. Aber bei Windstärke drei bis vier lässt es sich gut segeln. Faaborg (Fåborg) liegt auf der Insel Fünen und die Altstadt ist recht sehenswert. Etwas kompliziert ist die Handhabung mit Strom und Wasser. Dafür muss man eine Karte kaufen und mit einem Betrag laden. Dann gibt es erst Strom und Wasser gegen Entgelt. Mit den Karten hat man auch Zugang zu den Toiletten und Duschen. Wir besorgen uns gleich drei Karten, damit es morgens keine Probleme wie in Kappeln gibt.

Mittwoch, 20.05.2015 – Ziel Marstal – 35 Seemeilen

Wieder wachen wir im Sonnenschein auf. Diesmal geht es zur Insel Ærø. Bei Südwind müssen wir nun kreuzen und mehrfach wenden. Dabei bekommen wir zwei kräftige Schauer ab. Abends zeigt sich die Sonne wieder. Nun kommt meine Gyrossuppe auf den Tisch. Nach einem kleinen Stadtbummel besuchen wir die Traditionsschiffe, die im Hafen liegen. Da gibt es nette Gespräche mit den Besatzungen, die natürlich mächtig stolz auf ihre Dreimaster sind.

Donnerstag, 21.05.2015 – Ziel Orth – 35 Seemeilen

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Beeindruckende 399 Meter Länge

Und auch heute strahlt uns morgens die Sonne entgegen. Doch diesmal soll sie uns fast den ganzen Tage erhalten bleiben. Auf dem Weg zum Kiel-Ostsse-Weg kommt ein Frachter der Triple-E-Klasse von Mærsk mit seinen 399 Metern Länge auf uns zu. Da er nach Danzig will, dreht er aber rechtzeitig ab. Beim Passieren des Kiel-Ostsee-Weges haben wir es gleichzeitig mit zwei Frachtern von Backbord zu tun. Vor dem einem kommen wir noch vorbei, den anderen lassen wir freundlicherweise passieren indem wir etwas abdrehen. Das Warngebiet Todendorf-Putlos ist wegen Schießübung gesperrt. Laufend werden Schiffe deshalb angefunkt. Wir erwarten den Anruf, doch anscheinend zeigt unser Kurs, dass wir  nicht in Sperrgebiet hinein wollen. Die See ist ruhig und so erreichen wir entspannt Orth auf Fehmarn. Leider sind unsere Biervorräte zur Neige gegangen und so frage ich den Hafenmeister nach einem Markt. Der liegt nur vier Kilometer entfernt. Wir sollen uns ein Fahrrad leihen und dorthin fahren. Da ziehen wir lieber die Hafenkneipe vor. Nur Gerd holt sich ein Fahrrad und macht sich auf den Weg. Leicht erschöpft, doch mit 18 Flaschen Bier kommt er nach über einer Stunde zurück. Tatsächlich hat er elf Kilometer zurückgelegt. Eigentlich sollte Reinhard uns heute ein Essen zubereiten, doch nach dem Kneipenbesuch ziehen wir den Griechen am „Orth“ vor. Der ist günstig und gut, das wissen wir aus Erfahrung.

Freitag, 22.05.2015 – Ziel Heiligenhafen – 8 Seemeilen

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Schweinswale begrüßen unsere Rückkehr in den Heimathafen

Nur noch ein kurzes Stück zurück nach Heiligenhafen. Über einen kleinen Umweg soll die Fehmarn-Sund-Brücke unterquert werden. Doch der Wind ist mittlerweile so schwach geworden, dass wir die Segel einholen. Der Ausflug zur Brücke wird gestrichen. Da meine ich zwei Rückenflossen am Horizont erkannt zu haben, bin mir aber nicht sicher. Kurz danach sehen wir zwei Schweinswale an einer Yacht. Daraufhin kommen sie zu uns, um uns zu begrüßen. Sie tauchen ganz dicht bei uns für einen Fototermin auf und verschwinden dann wieder. Ein schöner Ausgleich für den fehlenden Wind und guter Abschluß des Törns. -JL-

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