Dickschiffgruppe WSVG09 auf Törn von Flensburg in die Ostsee.

07.-14.06.2013

Freitag den 07.06.2013

Es geht los! Ein Teil der Dickschiffgruppe, Skipper Mario, Arthur und Co-Skipper Gerd treffen sich in der Früh im Hause Hüntemann. Ingrid und Julia sind auch schon wach und versorgen die Crewmitglieder mit vorzüglichem Reiseproviant. Marios`s Auto (Ford Mondeo) wird gepackt und schon geht es los. Zunächst von Gronau nach Flensburg. Dort liegt unsere gecharterte „Donald“, eine Ozeanis 343 des Vercharterers FIRST CLASS CHARTER. Einige Tage wird Sie die Dickschiffgruppe unseres Vereines über die Flensburger Förde und u.a. Maasholm sicher nach Heiligenhafen fahren. Die Autofahrt verläuft unproblematisch, – natürlich kam es im Bereich des Elbtunnels zu Fahrtverzögerungen infolge starken Verkehrsaufkommens. sodass wir nach 5 Stunden Fahrzeit in Flensburg ankommen. Unterwegs treffen wir uns mit den anderen Mitgliedern der Gruppe, Juergen, Reinhard und Winfried, auf einem Autobahnparkplatz und fahren dann gemeinsam nach Flensburg. Während der Fahrt essen wir genüsslich die von Julia und Ingrid geschmierten Schnittchen. Lecker!!!! Um Hamburg herum fallen uns bei einem Blick aus dem Autofenster die riesigen Containerumschlagplätze auf. Der Handel mit Holland und dem Rest der Welt scheint zu boomen!! Hinter Hamburg führt uns die Autobahn durch Schleswig-Holstein, eine wunderschöne Kulissenlandschaft, in der sich Laubbaumwälder mit frühlingshaften Feldern in einer leicht hügelliegen Landschaft, abwechseln.

SomvikWir erreichen Flensburg-Sonwik. Flensburg selber ist eine moderne Stadt in der die imposanten, großen ehemaligen Militärgebiete auffallen. Auch die Wohnbebauung ist architektonisch in weiten Teilen im Bereich der Militärarchitektur anzusiedeln. Sozialer Wohnungsbau für Militärbedienstete. Mit dem Ende der Ostwest-Grenzen sind auch hier die Auflösungserscheinungen der nicht mehr benötigten Bundeswehreinheiten an den ehemaligen Kasernengebäuden des Marinestützpunktes zu sehen. So manche Wohnung und Industrieanlage ist dem Verfall anheim gegeben oder wird umgebaut. Durch Umbau und Umnutzung der militärischen Bebauung insbesondere der Marinekasernen in luxuriöse Appartementbauten im Bereich unseres Hafens Sonwik Marina versucht die Stadt Flensburg und der Bund eine sinnvolle und lukrative Umnutzung zu finden. Die bisherigen Umbauten sind gelungen und den zukünftigen und auch jetzigen Appartementeigentümern ist jedenfalls ein wunderschöner Blick auf die Förde und dem Yachthafen garantiert. In dem ehemaligen Marinestützpunkt angelangt, fallen uns die auf dem Kai installierten militärischen Einrichtungen vergangener Zeiten auf. Der Steg der Marina ist gegen den alten militärischen Kai gebaut worden. Dabei wurde berücksichtigt, dass nun nicht mehr Kriegsschiffe sondern Sportyachten hier ihre Liegeplätze finden.

Unser Blick vom Kai über die Förde fällt auf die gegenüberliegende Werft der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, in der sich im Dock gerade ein großes Schiff befindet.

Und schon sind wir an unserer Charteryacht „ Donald“ angelangt, eine Ozeanis 343. Hier erwartet uns ein Mitarbeiter des Vercharteres „FIRST CLASS CHARTER“. Um 20:00 können wir die Yacht belegen. Wir bekommen eine Inventarliste der Yacht und einen Chartervertrag in dreifacher Ausfertigung ausgehändigt. Die DonaldMit kleinen Kofferwagen fahren wir unser Gepäck über den Steg zur Donald. Wir verstauen unser Gepäck und schlendern dann noch mal eben an die Pier um uns in den etwas antiquiert anmutenden Strandkörben nach der Anreise „a little bit“ zu entspannen. Auf der Pier entdecken wir für einen evtl. späteren, abendlichen Besuch, ein italienisches Restaurant. Es ist etwas schwül und die Sonne scheint. Eine Pier weiter fällt uns ein Wasserflugzeug auf. Auf der anderen Seite der Flensburger Förde liegt Dänemark. Da wollen wir hin. Als wir abends im Sonnenuntergang bei einem Sun-Downer gemütlich im Cockpit sitzen schreckt uns plötzlich ein lautes Motorengeräusch auf. Wir gucken überrascht in den Abendhimmel und suchen nach einem Wasserflugzeug, das da evtl. vorüberzieht. Nein, weit gefehlt, es ist ein Zweimastschoner, der uns aufhorchen lässt. Der Kapitano hatte mal kurz seine Motoren aufheulen lassen. Warum auch immer?! Etwa um uns zu erschrecken!?

Samstag den 8.6.2013

Auf der Pier tummeln sich schon am frühen Morgen, wie man es ja so kennt, die Jogger. Die Crew eines Segelbootes macht klar Schiff zum Ablegen, als ich nach dem Aufwachen nach draußen gucke. Wir legen mitgebrachte Brötchen in den Backofen und frühstücken noch vor 8:00 Uhr, denn anschließend will ein Mitarbeiter des Vercharterers kommen um das Schiff abzunehmen und uns in das Schiff einzuweisen. Er kommt schon um 7:45 Uhr und die Abnahme, Einweisung und Übergabe der Yacht nehmen ihren routinierten Ablauf. Mario als Skipper, ausgerüstet mit allen Scheinen, übernimmt die Yacht, nachdem er sich mit Jürgen noch im Rahmen einer Pyroscheinprüfung an Bord mit Fragen des Munitionserwerbsberechtigungsscheines und der Handhabung von allerlei Seenotrettungszeichen auseinandergesetzt hat. Draußen hören wir, wie ein Wasserflugzeug mit viel Motorgetöse davonfliegt. Siehe auch: http://www.clipper-aviation.de/ Die CrewUm kurz vor 12:00 Uhr ist es dann soweit: Der Hafenmeister bringt die „Pyroscheine“ persönlich vorbei. Punkt 12 legen wir ab in Richtung Fördemündung.

Es ist Samstag und die Förde quillt beinahe über mit Freizeitseglern. Also, erhöhte Wahrschau ist angesagt. Wir streifen auf unserer Fahrtroute ein Regattafeld der Klasse Moth 19, die mit großem Genaker und 2 Mann im Trapez mit ihren Booten durch das Fördewasser pflügen. Im weiteren Verlauf sehen wir die Startfelder der Klasse Laser und 420er und im 17.ten Regattafeld sind die Boote mit roten Segeln und Genaker besetzt. Viele Schoner und Jugendboote sind unterwegs. Ein Wasserflugzeug überfliegt uns während ein anderes am Steg liegt. Allem Segeltrubel zum Trotz, navigiert Winfried uns sicher durch die Förde. Sauber rechnet er die Kurse mit den dazugehörigen Seemeilen, so dass wir die Route von Tonne zu Tonne „nautisch erfahren“ fahren können. Natürlich waren Navigationsinstrumente wie Plotter, Windmesser, Logge, analoger und elektronischer Kompass, Autopilot, Radio, Navtex, etc. an Bord, Logo! Aber Kurse von Hand zu rechnen macht eben Spaß, wenn man es kann. Navigator WinfriedUnd Winfried kann es! Schön ist es, die Förde bergab zu fahren und die leicht hügeligen, bewaldeten Ufer mit ihren kleinen Stränden und Häuschen, niedlichen Dörfern und Yachthäfen an sich vorbeiziehen zu sehen. Dann fahren wir über Stb rechts ab und die Förde wird mächtig breit. Einige Zeit fahren wir Raumwindkurs.

Plötzlich werden wir in Luv von einer Segelyacht überholt. Ausgerechnet jetzt steht Arthur am Ruder. Er luvt an, während Winfried bemerkt, dass der Rudergänger, also Arthur, in dieser Situation das Schiff auf Kurs halten sollte. Ein anderes Verhalten wird grundsätzlich als unsportlich angesehen und ist keine feine Seemannschaft. Okay, danach fahren wir unter der Fock etwas zu luvgierig. Nichtsdestotrotz hält Arthur zur Verwunderung der übrigen Besatzung genau Kurs. Plötzlich ruft die Mannschaft: Wenn Du den Kurs so weiter steuerst, dann besteht die Gefahr einer Patenthalse. Später fahren wir mit Autopilot, der den angelegten Kurs immer richtig korrigierte und damit die Gefahr einer Patenthalse minimierte. Wir fahren Kurs Høruphav.

Høruphav

Auf halber Strecke nähert sich uns ein Frachter, dessen Peilung gleich bleibt. Er macht keine Anstalten uns die Vorfahrt zu gewähren. Statt dessen hält er weiter auf uns zu. Wir überlegen schon, wie wir das Manöver der letzten Augenblicks durchführen, da dreht er dann doch noch ab. In etwa 100 m passiert er uns und schüttelt uns mächtig durch.

Wie üblich melden wir uns vor der Einfahrt in den Hafen bei dem Hafenmeister an und fragen nach einem Liegeplatz. Die Sonne scheint und die Besatzung ist gut gelaunt. Wir können einlaufen und Mario bugsiert die Yacht routiniert achterwärts, also mit dem Heck, an den Steiger. Der Hafen ist voll besetzt und die Yachten liegen im Päckchen. Neben uns liegt eine Yacht aus Hamburg, die u.U. noch nicht das Ende des Päckchen sein muss. Quirliges Hafenleben ist hier angesagt als wir uns so umschauen. Auf den Grünflächen stehen Zelte, vor denen gegrillt, gelacht und gegessen wird. Die Menschen sind fröhlich und gut gelaunt. Nach dem erfolgreichen Anlegemanöver laufen Gerd und ich über einen kleinen Pad zu den roten Hafengebäuden um dort am Ticketautomat unsere Hafengebühren zu bezahlen. Leider erscheint dies zunächst aussichtslos, da Gerd seinen PIN CODE vorübergehend vergessen hatte. Schließlich fiel im dieses, so wichtige Werkzeug nach dem sechsten Versuch des Einloggens wieder ein, und der Bezahlvorgang konnte vollendet werden.

Es ist warm, die Sonne lacht und die Blumen blühen, da bietet sich ein kleiner Dorfgang an. Wir laufen über kleine, mit Laubbäumen bepflanzte Hügel in Richtung Dorf, vorbei an einem imposanten weißen Hotel , einem Supermarkt und einem Do it yourself Centrum. Man sieht es an der bescheidenen Vegetation: Der Frühling hat auch hier relativ spät eingesetzt. Während wir so gemütlich laufen, hören wir in der Ferne die Ambulanz mit lauter Sirene Richtung Hafen düsen. Hier in Dänemark haben die Sirenen der Krankenwagen den Ton wie amerikanische Krankenwagen. Für unsere Ohren etwas ungewöhnliche Klänge. Wie wir später erfahren, holten sie Jemanden aus dem Hafen ab. Bei uns macht sich angesichts der Ambulanzsirene eine „Land-Unter-Stimmung“ breit.

Sonntag den 09.06.2013

Nach unserem üppigen Frühstück wählen wir als Tagesziel einen Schlag über den kleinen Belt, um im Hafen von Bagenkop auf Langeland heute Abend anzulegen. Schnell verschwindet im Achterwasser die Fördemündung. Wir sehen wenige Seevögel. Und beim Blick ins Wasser beobachten wir, wie vereinzelt Schweinswale an die Oberfläche kommen. SchweinswaleRuckzuck kommt am Horizont die Küste von AERO in Sicht. Von dort aus geht es rüber nach Langeland. Wir fahren unter Genua und folgen dem Zug der Wolken. Ruckzuck kommt auch schon die, mit Bäumen gesäumte Küste von Langeland ins Fernglas. Mit abnehmendem Wind erreichen wir die Hafeneinfahrt, die, nach Winfrieds Einwand, auf einem bestimmten Kurs angefahren werden muss. Ein Blick ins Hafenhandbuch ist erforderlich, mindestens aber hilfreich! Auf Stb begleitet uns bei der Anfahrt ein 2-Mast-Klipper. Eine ordentliche Anfahrt mit einem ordentlichen Anlegemanöver und einem noch ordentlicheren flüssigen Anleger beenden diesen Tagesschlag über den kleinen Belt. Es ist Sonntagabend und „alles ist dicht“ wie man bei uns in Westfalen sagt. Ein niedlicher kleiner Hafen, bebaut mit kleinen 2 stöckigen, in Reihe stehenden rotweißen Häusern. Die Menschen sitzen vor ihren Häusern und verfolgen aufmerksam das allgemeine Hafentreiben. Unser abendlicher Ausflug durch den Hafen führt uns vorbei an diesen kleinen Häuschen, vor denen sich wohlbeschützt vor Wind und Wetter kleine Grillplätze und Picknicktische befinden. Grillplätze sind hier genial einfach gebaut. Ein Betonrohr, aufrecht gestellt, ist mit einem Grillrost, auf dem das Grillgut liegt, abgedeckt. Innen befindet sich die glimmende Grillkohle, die von unten belüftet wird. So einfach kann ein Grillplatz gestaltet sein. Eine kleine Slipanlage, über die Boote aus dem Wasser gezogen werden können, ist auch vorhanden. Was benötigt der Skipper mehr!? Ein frisch in blau gestrichenes Boot steht zur Wasserung klar. Am Fischerkai fällt uns ein Motorboot auf, auf dem ein Blech-Stabilisierungssegel angeschlagen ist. Diese Segel sorgen dafür, das sich die Boote ohne Steuerung immer in den Wind stellen, während die Fischer arbeiten. StabilisierungssegelReges Treiben im Hafen: Fischer machen ihre Boote fangklar. Hier bearbeitet ein blonder, kräftiger, dänischer Bilderbuchfischer das Fanggeschirr mit seinen Ketten und Gestellen und dort klagt ein hart malochender Fischer über Rückenschmerzen. Es ist der Eigner, der mit seinem Sohn und einem Hiwi den Fischkutter wieder fangfertig macht. Wir kommen mit den Jungs ins Gespräch und Winfried packt die Gelegenheit beim Schopf um den Fischer mal zu fragen, ob wir einen Blick ins Steuerhaus werfen dürfen. Bereitwillig zeigt der Fischer uns das Steuerhaus und angesichts des großen Kompasses bekommt der alte Seemann Winfried glückliche Augen. Sie fahren heute Nacht nach Lolland um dort zu fischen, bemerkt der Fischer so nebenbei. Sie fischen mit einem langen Schleppnetz, das an Ketten hängt, die durch ein pflugscharähnliches Stahlgestell , den Scherbrettern auseinander gehalten werden Dieses Gestell wird dann mit dem Netz, auf einen großen Fang hoffend, über den Meeresgrund gezogen. Später, wir sind längst von Bord, legt er seinen Fischkutter mit einem rasanten und routinierte ausgeführten Bogenschlag, zu unserer Bewunderung, mit dem Heck an den Steg, um das Netz sorgfältig auf die am Heck installierte Rolle, zurollen. Toll!! Freimütig und ein bisschen schelmisch erzählt er weiter, dass sie auch in Gebiete fahren, in denen sie nicht fischen dürfen. In diesen Fällen ziehen sie über die GPS Geräte, über die sie ja zu orten wären, eine Brathähnchentüte mit Alu-Beschichtung, um so einer evtl. Entdeckung dieser illegalen Fischerei zu entgehen. Untereinander, wie er weiter erzählt, warnen sie sich vor Kontrollfahrzeugen mit Hilfe von Facebookeintragungen, wo sie eine „geheime“ Gruppe gebildet haben, zum Schutz vor Entdeckung durch Kontrollboote. Die deutschen Kontrolleure sind viel strenger, bemerkt er nebenbei. Tja und dann erzählt er uns zu unserer Überraschung, das er gar keinen Boots-Führerschein hat und das dieser in Dänemark auch nicht nötig ist um mit Schiffen zu fahren, die weniger als 100m² Deckfläche haben. Jaja, denken wir, und in Deutschland muss man für „alles“ einen „Schein“ haben, sogar für die Notraketen. Da kommt bei mir als Holländer Schadenfreude auf angesichts der Büffelei für die deutschen Scheine. Abschließend bemerkt er augenzwinkernd, dass er in die Fischerei hineingeboren worden ist und das sei mit Sicherheit die größte Legitimation um ohne Führerschein auf See zu fischen. Tja die Freiheit der Fischer, hier spüren wir sie. Wir verabschieden uns dankend und sehen später, wir sind längst von Bord, wie er seinen Fischkutter mit einem rasanten und routiniert ausgeführten Bogenschlag, zu unserer Bewunderung, mit dem Heck an den Steg legt, um das Netz sorgfältig auf die am Heck installierte Rolle zu rollen. Super!!

Wir setzen unsere kleine Hafenrunde weiter fort, vorbei an Fischcontainern, Fischgeschäften und kleinen schnuckeligen Häuschen, bis wir zu einem freien Platz kommen auf dem ein Haus steht, ähnlich aussehend wie eine Schulgebäude, mit einer großen Glocke auf dem Dach. Wir können es als solches aber nicht richtig erkennen und auf Nachfrage erklärt man uns, dass es eine Seefahrtschule ist. Ja und nach diesem kleinen Exkurs durch den Hafen inspizieren wir noch die Hafenduschen, mit dem Ergebnis: Nicht gereinigte, unaufgeräumte, stinkende Duschen. Darüber sind wir nicht so erfreut, wie man sich leicht denken kann. Hinter dem Duschgebäude sehen wir fröhliche Kinder, die von einem Steg am Strand ins Wasser springen. Wir laufen wieder zurück und kommen an einem sonderbar aussehenden Turm vorbei, indem wir überdrehte, krakeelende Jugendliche hören. Einer der etwas seltsam anmutenden Jungen fragt uns schreiend von oben aus dem Turm nach „Rauchbarem“. Wir fragen uns, ob es eine Gruppe geistig Behinderter ist, die hier feiert.

Wir laufen weiter in Richtung Klipper. Dort angelangt fragen wir einen niederländischen Matrosen, ob wir das Schiff mal kurz besichtigen könnten. Er beantwortet unsere Frage mit der Bemerkung, dass man sich für eine Besichtigung persönlich anmelden muss. Nichtsdestotrotz, er lässt uns aufs Schiff. Wir gelangen durch eine Art röhrenförmigen Eingang ins Innere des Schiffes. Unmittelbar nach dem Eingang links, ist die Küche mit einer kleinen Bar und einigen Sitzplätzen, links hinten befindet sich noch eine Sitzgelegenheit und in der Mitte verläuft ein Gang, der nach achtern zu den Kammern mit den 2-4 Kojen führt. Es ist ein Mitmachschiff für deutsche Gäste, das im Sommer in Kiel und im Winter in Enkhuizen liegt. Das Schiff wird von 18 zahlenden Gästen bewohnt und von 2 Besatzungsmitgliedern geführt. Der Vercharterer wohnt in Enkhuizen und beschäftigt sich mit der Vercharterung traditioneller Schiffe, erklärt man uns. Auf dem Rückweg unseres Spazierganges erkennen wir den Turm als eine Art Aussichtsturm, der farblich mit den rotweißen Häusern übereinstimmt. Bei näherer Betrachtung erkennen wir den Turm als Aussichtsturm. Wir beschließen, nach oben auf den Turm zu steigen. Unzählige Treppenstufen müssen erklommen werden. Als dies die etwas schrill erscheinenden Jugendlichen bemerken, ergreifen sie mit ihren Mountainbikes fluchtartig das Weite. Oben angelangt werden unsere Bergsteigerqualitäten ordentlich belohnt. Ein schöner Blick über die See, das Hafendorf und den Strand entschädigt uns für die Anstrengungen des Aufstieges. Nach diesem abendlichen Hochgenuss verlassen wir den Turm und laufen zielstrebig zu unserer „Donald“. Schnell kommen wir zu dem wichtigsten an Bord, nämlich einer ordentlichen Mahlzeit. Mario serviert uns ein vorzügliches, selbstgemachtes Gulasch, ohne dabei zu vergessen, dass seine Kochkünste auf die hervorragenden Kochkünste seiner Frau Ulrike zurückzuführen sind. (Hoffentlich liest Sie auch dieses Logbuch!?) Es schmeckt uns gut und wir werden prall satt.

Montag den 10.06.2013

Heute Morgen scheint die Sonne schon um 6 Uhr in der Früh. Und dann, ja und dann zieht sich der Himmel mit einer grauen Wand zu. Arthur läuft eben schnell noch zum Angelshop und kauft sich einige Fischköder. Hier kann man ein Boot mit 50Ps für 18 Euro pro Std mieten. Auf dem Rückweg sieht er vor Bagenkop zwei Küstenschiffe auf Reede liegen. Nach dem Alles erledigt ist, man kennt das ja: der morgendliche Toilettengang, Duschen, Frühstücken, Segelklamotten anziehen wird die Tagesroute geplant und festlegt, fahren wir raus. Wir lassen eines der links auf Reede liegenden Schiff BB liegen und fahren danach über BB Richtung Heiligenhafen. Umfahren dann im weiteren Verlauf unserer Fahrt eine Landzunge und Sandsteinklippen, die mit Wind gepeitschten Bäumen bewachsen sind. Achterwärts sehen wir, wie auch der Klipper den Hafen verlässt. Der Sonnengott ist uns gut gesonnen: Die Sonne lacht vom Himmel! Auf dem Wasser um uns herum tänzeln die Mietboote des örtlichen Anglershops. Leider sind die Windverhältnisse nicht so optimal und wir fahren nur 1.8 Knoten über Grund. Das ist nicht schnell und wir rechnen Flux aus, dass wir bei der Geschwindigkeit, Heiligenhafen erst nach einer durchsegelten Nacht erreichen würden. Das soll nicht sein und wir setzen die sogenannte „Unterwasserweltgenua“, sprich wir werfen den Jockel an. Unter Segel und Motor kommen wir zügig voran. Jetzt ist auch der Zeitpunkt da, wo wir dem Winfried einen Spitznamen verpassen können. Er wird zukünftig unser „Sturmfried“ (die Steigerung von Win“d“fried) sein, was er humorvoll akzeptiert. Über Stb werden wir von einem Fischer mit Schleppnetz gekreuzt. Er biegt unmittelbar vor uns ab und dreht dann um, geradeso wie es die Bauern mit ihren Pflügen auf den Äckern machen. Er pflügt mit seinem Netz, so scheint es hier, den Meeresboden. Unser Sturmfried bemerkt, dass die Fischer mit dieser provokanten Fahrerei die Skipper auf Ihren Charteryachten testen, ob sie die Ausweichregeln kennen. Ah-ha! Es begleiten uns wieder Schweinswale und dieses Mal filmt Arthur sie mit der Videokamera. Wie wir so gemütlich mit Hilfe des Autopilotes unseren Kurs fahren, hören wir plötzlich über Funk, Kanal 16, die für alle Skipper dieser Welt erschreckenden Worte aus dem Äther klingen: MAYDAY! MAYDAY! MAYDAY! Rauch am HorizontAlle Stimmen an Bord verstummen schlagartig. Es herrscht Totenstille an Bord und alle Besatzungsmitglieder hören gebannt auf die Stimme im Kanal 16. Mit ruhiger Stimmlage meldet dort ein Mann, dass seine Yacht in Brand geraten ist und die Besatzung sich in einer Rettungsinselbefindet. Schnell haben wir die Position des Havaristen bestimmt. 5 Seemeilen sind wir von der brennenden Yacht entfernt. Wir nehmen die Segel runter und geben „Maschine Vollgas“ mit Kurs auf die Unglücksposition. Wir fahren 8,5 Knoten und schnell sehen wir voraus am Horizont in den Himmel emporsteigende Qualmwolken der brennenden Yacht. Als wir näher heran kommen ist die Yacht eingehüllt in beißendem, schwarzen Qualm. Mit uns, sind noch zwei Segelyachten und ein Motorboot vor Ort. Gerd und ich diskutieren den zu fahrenden Kurs unserer Yacht. Über BB sehen wir ein Sicherungsboot „Munster“ der Bundeswehr aus Heiligenhaven, das näher an den Unglücksort heranfährt und behelfsmäßig löscht. Auch wir fahren näher heran und sehen wie hohe Flammen aus der Yacht schlagen. Der Mast liegt an Deck in Längsrichtung des Schiffes. Eine Yacht, die offensichtlich als erste am Unfallort eintraf, hat das Rettungsfloß an Bord gezogen und es liegt nun an Deck. Die Verpackung der Rettungsinsel treibt noch im Wasser. Das brennende SchiffWir fahren noch näher an die Boote heran und fragen die Besatzung wie der Brand entstanden sei. Sie wussten es nicht. Sie sind, wie Sie uns berichten, von dem Feuer überrascht worden. Auf Marios Frage ob wir helfen könnten, antworteten sie , dass alles OK sei. Während das Schiff von der DGzRS mit einem schlappen Wasserstrahl den Brand löscht, entschließen wir uns weiter zu fahren und sehen noch rückblickend in der Ferne, wie die Ambulanz aus HH, ein Bergungsschiff, und der Seenotrettungskreuzer Bremen am Unfallort erscheinen. Wir fahren weiter und schon bald erscheint die Silhouette von Heiligenhafen am Horizont und wir erkennen den Strand mit dem gigantischen Kurhaus, die Pier und die Landzunge mit den wunderschönen Strandhütten. Mit einem großräumigen Bogenschlag biegen wir in die lange Hafeneinfahrt ein und fahren nach Hafenvorschrift in den Hafen. Der Hafen ist belebt und wir sehen Frachtschiffe die gerade an Silos gelöscht werden, wir passieren Salzwiesen die mit riesigen Vogelschwärmen besetzt sind. Der Hafen ist gut besucht und 2 Katamarane, die für die Boxen zu groß sind liegen am Hafeneingang.

Zielstrebig fahren wir zu dem Steg unseres Vercharterers First class charter. Wir fahren in unsere Box Nr.1c. Nach einem kleinen Päuschen gehen wir von Bord. Wir sehen die „Hornet“, die Yacht, mit der Skippper Gerd im Rahmen der Nautic Youngstars Regatta 2012 leider eine Karambolage hatte. Die Hornet ist wieder repariert und der Schaden reguliert. Stolz liegt sie da, die Hornet, um im nächsten Regattazirkus wieder ihren Dienst zu tun. Wir gehen weiter und machen an einem Seglershop halt, damit sich der Winfried ein neues Käppi kaufen kann. Das neue Käppi steht ihm, wie wir meinen, gut. Wir laufen über Sonnenterassen auf denen Strandkörbe und Picnic-Tische stehen. Wir gehen über die Brücke und sehen westlich davon einen Campingplatz mit einer Segelschule. Im Wasser toben einige Kids und die Geschäfte wie Bäckereien und kleine Coctailbars sind bei dem Sonnenschein gut besucht. Angesichts zweier hübscher, badender Mädchen fangen wir in der Gruppe an zu fantasieren, wie es denn wohl sein würde, wenn wir hier ebenfalls von der Pier ins WASSER SPRINGEN WÜRDEN, und uns zu den Mädchen gesellen würden. Naja, angesichts so eines irrealen Gedankensplitters, ist das Thema schnell beendet. Tja und dann kommen wir zu einem Spielplatz mit Wasserspielgeräten und da findet der Arthur das Sportgerät seines Lebens: Es ist ein Ring in dem man laufen muss, um Wasser auf ein höheres Niveau pumpen zu können. Flink steigt er in den Ring und läuft und läuft und läuft. Als er so Runde um Runde dreht und das Wasser nach oben pumpt, kommt ihm allerdings auch schnell in den Sinn, dass diese Art der Betätigung eines Sportgerätes etwas mit einem „im Hamsterrad laufen“ zu tun haben könnte. Schnell hat er sich das realisiert und verlässt daraufhin fluchtartig das Spielgerät. Wir spazieren weiter und sehen, wie zwei Jungen auf SUF-Surfbretten mit den Wellen und dem Wind paddeln. Was für SUF! Später, auf einer Bank, massiert der Mario Winfried`s Thorax und der Rest der Gruppe legt sich auf die bereit stehenden Liegen und genießt die entspannende Aussicht auf die Fehmarnsundbrücke im Abendlicht.Heiligenhafen

Neues Gruppenziel! Pizzaessen in der Pizzaria Porto Santo. Während wir so bei Tisch sitzen und essen, führen wir interessante Gespräche über z.B. deutsche Bauqualitäten und Klinkerverbände. Nach dem Essen gehen wir zurück auf unsere Yacht und beobachten die auf unserem Festmacher sitzenden Schwalben. Kein Lüftchen weht und das Wasser ist spiegelblank. Plötzlich kommt einer auf die Idee, dass man doch mal zur Werft gehen könne, um das Wrack zu besichtigen, denn dorthin wird das Wrack der abgebrannten Segelyacht, wie wir in Erfahrung bringen konnten, geschleppt. Wir laufen Richtung Fischerhafen, an dessen Ende zwei interessante Museumsschiffe liegen. Eines davon heißt Olifant und es fällt auf, dass ein kleines Beiboot an der Davidis hängt. Verwundert betrachten wir die dünnen Leinen mit denen dieses kleine Boot aufgehängt ist. Es liegen am Steg einige Fischkutter und auch der Seenotrettungskreuzer, den wir am Unfallort bereits antrafen. Auch hier liegen militärische Fahrzeuge. Mir fällt ein Patrouillenboot auf, das mit einem MG und einer großvolumigen Kanone ausgerüstet ist. Auf Anfrage dürfen wir an Bord. Übers Heck klettern wir an Bord und spielen ein wenig am Ruder und dem MG. Es macht Spaß und die Zeit verrinnt wie im Flug. Besuchen wir halt zu einem späteren Zeitpunkt die Werft. Es ist schön anzusehen, wenn das Hafenbecken von Fischgeschäften und Fischrestaurants, so wie hier, umgeben wird. Im Wasser dümpeln einige Fischer- und Ausflugsboote, die gerne Hobbyfischer gegen Bezahlung mit auf See nehmen. Uns fällt eine sehr schöne, weiße Jugendstilvilla auf. Es soll das Haus eines Reeders sein, der in der Blüte vergangener Seefahrerzeiten zu Reichtum gekommen war. Heute wird sie von einem Heilpraktiker bewohnt und genutzt. Auf dem Praxisschild steht: Dr. der Philosophie und Sozialwissenschaften. Vielleicht ein „Umschüler“. Unser weiterer abendlicher Spaziergang durch den Hafen führt uns durch etwas „düstere“ Strassen zu einer Segelschule, die sich an einem kleinen Strand angesiedelt hat und offensichtlich ihren Schülern Kat- und Jollensegeln anbietet .Viele kleine rote Jollen liegen am Steg und warten auf Segelschüler. Insgesamt ein einladend, gemütliches Areal, an dem man sich gerne aufhält. Weiter aufwärts gelangen wir zu Bundeswehrschiffen die hier festgemacht haben. Ein Zivilangestellter begrüßt uns und berichtet uns, dass die abgebrannte Yacht während des Schleppvorganges gesunken sei. Weiter erzählt er uns, dass er aus Ostdeutschland kommt und hier an Bord seinen Dienst verrichtet, dass, das Schiff mit seinen 2000 PS das Sperrgebiet bewacht und wegen seines schlechten Unterwasserschiffes nur 16 kn fährt. Mit diesen Informationen wird natürlich auch unser Wunsch, die Werft in 2 km Entfernung zu besuchen, völlig belanglos. Wir bedanken uns freundlich und kehren um in Richtung „Donald“.

An unserer Donald angelangt, trinken wir noch ein Bierchen auf dem Achterdeck und schauen uns den schönen Sternenhimmel an. Da kommt laut Rainer die ISS . Auf seinem Handy zeigt er uns, was die Astronauten gerade von der Erde sehen. Über dem großen Bär sehen wir den Polarstern und das Sommerdreieck am Himmel. Atair, Deneb und Wega strahlen am großen Firmament.

Dienstag den 11.06.2013

Es ist grau und es weht ein laues Lüftchen. Arthur robbt sich aus der Koje und nimmt im Stegwasser ein erfrischendes, morgendliches Bad. Frisch und munter lauft er noch eben schnell zum Bäcker und kauft für uns leckere, frische Brötchen zum Frühstück.

Nach einem prallen Frühstück machen wir alles klar zum Ablegen. Wir laufen nach Osten aus und legen unseren Kurs in Richtung Sperrgebiet, dorthin wo das Patrouillenboot gestern patrollierte. Es ist ein Sperrgebiet indem die Bundeswehr Schießübungen durchführt. Na dann! Schauen wir mal?! Auf See kreuzen wir mit wenig Wind nach Westen. Das Schiff macht 4 Kn Fahrt über Grund. Ein Fahrzeug des Bundesgrenzschutzes, das wir gestern schon gesehen hatten, holt uns schnell ein und fährt vorbei. Bei Bockwurst und Toast hören wir in der Ferne ein paar mächtige Knaller und beobachten Patrouillenboote und ein Frachtschiff im Fahrwasser. Aufmerksam beobachtet unser Steuermann Winfried, wie sich der schmale Kanal auf der anderen Seite der Brücke langsam mit Fehmarnfahrern füllt. Die Donald nimmt nun Fahrt auf und beginnt im Wind zu stampfen, was dem Mario eine leichte, noch erträgliche, aber dezente Blässe ins Gesicht steigen läßt. Der Junge wird doch wohl nicht seekrank? Während wir Fahrt voraus nehmen, verschwindet die Fehmarnsundbrücke immer mehr im Achterwasser bis sie nicht mehr zu sehen ist. Zügig geht die Fahrt voran und wir fahren an einem Tonnenstrich entlang, der möglicherweise das Sperrgebiet besonders begrenzt, aber nicht in unseren Karten vermerkt ist. Nun gehen wir doch ins Reff da der Wind stark zugenommen hat, obwohl der Wetterbericht dies nicht angekündigt hatte. Die Donald legt sich trotz Reffs mächtig auf die Seite. Um 14:00Uhr haben wir noch nicht die Hälfte unserer Route nach Laboe zurückgelegt. Wir entschließen uns daher die Segel zu streichen und bei 1,5m hohen Wellen den Rest der Strecke zu motoren. Der Jockel wird angeworfen und wir fahren weiter an dem Sperrgebiet entlang. Vor der Kieler Förde sichten wir die großen roten Tonnen des viereckigen Sperrgebietes und finden dann auch schnell das Fahrwasser nach Kiel. Hier herrscht ein hohes Verkehrsaufkommen. Containerschiffe über Containerschiffe transportieren eilig ihre Frachten. Wir planen in das Verkehrstrennungsgebiet von links einzufahren um es dann zu überqueren und es dann auf der Höhe des Yachthafens wieder zurück zu queren. Gedacht getan. Am Olympiastützpunkt sehen wir trainierende Jollen und Optis. Die ab und zu auch schon mal ins Fahrwasser reinfahren. Wahrschau!! Die Tonnen sind im Gegenlicht der untergehenden Sonne schwierig klar auszumachen. Wir biegen zwischen zwei fahrenden Containerschiffen nach Stb ab. Uns fallen auf den Containerschiffen die riesigen Steuerhäuser auf. Wir fahren an dem imposanten Marine-Ehrenmal der gefallenen Seefahrer vorbei und sehen den davor liegenden riesigen Campingplatz. Wie Jürgen später erzählte, hat das Denkmal die Form einer U-Bootbrücke. Kaum sind wir hier dran vorbei da kommt auch schon der mit unzähligen Strandkörben bestückte weiße Strand von Laboe in Sicht.

Siehe auch: http://www.segel-filme.de/haefen/laboe/

Auch hier sind wieder kleine, schöne Häuser vor einer leicht hügeligen Landschaft zu bewundern.Denkmal Laboe Was ist das! Wir sehen die Masten der Yachten im Hafen von Laboe in der Ferne, können aber die Hafeneinfahrt nicht ausmachen. Schnell ein Griff zum Hafenhandbuch, was nicht hilft. Und so ruft Gerd den Hafenmeister an, der allerdings schon zuhause sitzt und erklärt, dass wir die Einfahrt in den Hafen selbst finden sollten. Tja, wir sind mal wieder auf uns alleine gestellt und auf der Förde bläst ein ordentlicher Wind. Nun gut. Wir packen es an! Arthur lässt zunächst ein blaues Frachtschiff vorbei und kreuzt das Fahrwasser über BB und fährt dann in den Hafen. Wir finden viele grüne Schilder an den Boxen. Leider sind diese Boxen zu schmal und für unsere Donald nicht zu gebrauchen. Plötzlich ruft ein Skipper von einer benachbarten Yacht, dass wir eine Einfahrt weiter fahren sollten, da würden wohl für uns ausreichend große Boxen sein. Gehört getan! In der Zwischenzeit sind wir alle ziemlich genervt, denn die Anfahrt Laboe bei der hohen Schiffsdichte und dem starken Wind auf dem Wasser ist nicht ganz so locker zu manövrieren, und jetzt auch noch freie, zu kleine Boxen. Arthur fährt also wieder aus dem Hafen heraus um dann über Stb wieder in einen anderen Hafenteil zu fahren. Echt unübersichtlich hier, bemerkt Arthur. Auch hier sind die freien Boxen für unsere Donald zu klein. Und wieder werden wir durch ein Besatzungsmitglied eines Hafenliegers belehrt: Sie müssen an eine ganz andere Ecke des Hafens fahren, dorthin, wo der Steiger in einer Ecke endet, dort sind freie, große Boxen. Ach soooo!!! Das gesamte Hafenbecken ist gefüllt mit Wasser, in dem sich tausende Ohrenquallen tummeln, Teufel noch mal. Die Nerven liegen blank! Wir fahren dorthin und Winfried, genannt Sturmfried übernimmt das Ruder. Und mit Hilfe eines starken Tampens, der an einer Dalbe festgemacht wird, kommen wir achterwärts fast hinter der Kaimauer an einem Steg zu liegen . Wir machen fest. Hier liegt normalerweise das 30m lange Fährboot an, was Fußgänger transportiert. Und als wir einen Blick über die Kaimauer werfen, sehen wir die Seeschiffe mit einer affenartigen Geschwindigkeit vorbeifahren. Endlich frisch machen und Erkundung des Hafens. Am Ende des Steigers befinden sich die Räumlichkeiten mit den Hafentoiletten. Kosten: 50ct pro Toilettengang, Dusche und Person. An unserem Boot vorbeilaufende Bootpeople fragen wir nach einem Imbiss oder so. Sie zeigen auf ein Fischrestaurant im Hafen. Nach diesem etwas anstrengenden Schlag nach Laboe sind wir zunächst etwas ermattet und genießen bei Bier und O-Saft eine kleine Ausruhphase. Um 20:40Uhr machen wir uns auf die Socken um ein abendliches Mahl in dem Hafenfischrestaurant zu uns zunehmen. Bestellen, kurze Zeit warten , essen alles klappt unkompliziert und wir sehen durchs Restaurantfenster genüsslich dem Sonnenuntergang zu. Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang am Strand. Was ist das? Guckt uns doch ein Automat an, der von uns pro Person 2 Euro Strandgebühr bekommen möchte. Allerdings nur in der Hochsaison. Auch hier finden wir wieder gemütliche Strandzelte, Strandkörbe und natürlich den weißen Sand von Laboe vor. Für die kalte Witterung haben die Laboer ein überdachtes Schwimmbad gebaut, sodass auch Badebetrieb bei miesem Wetter möglich ist. Wir sehen das Laboer Denkmal und die am Boulevard liegenden Luxusferienappartements, die sich zwischen die alten mit viel Historie behafteten Strandhäuser schieben. Besonders auffallend sind die schönen Vorgärten. An einem Balkon fällt uns ein Verkaufsschild des örtlichen Maklers auf. Und dann kommen wir am Ende unseres kleinen Abendspazierganges noch zu einem Turm, an dem gegenüber das U-Boot 995 auf dem Trockenen steht. U995Natürlich klettert Arthur über den Zaun um alle Schrauben, Stabilisatoren, Ruder etc. zu fotografieren. Es erscheint uns insgesamt unglaublich groß und liegt dort wie eine BIG ZIGARRE. 100 Mann Besatzung hat so ein „Zigarre“ . Sie müssen sich mit 3 Mann im 4- Stundentakt der Nachtruhe, eine Koje teilen. Toll???!!!

Genug gesehen und wir gehen zurück zum Schiff. Es kühlt sich draußen schnell ab und wir besetzen heute Abend mal den Salon. Bierchen trinken, schnacken und den Kurs für das nächste Tagesziel besprechen und festlegen. Und was gibt es zu essen? MINIMARSJES!!!!!!!!!!

Mittwoch den 12.06.2013

Heute ist Arthur schon um 5 Uhr morgens das erste Mal wach. Arthur der ChronistDie Sonne ist noch nicht aufgegangen und draußen hören wir gellende „Schreie der Rächer“ durch die Hafenatmosphäre klingen: Auf den Salingen der Yachten sitzen Krähen die mächtig schreien. Hilfe, schreiende Krähen!!!! Um 6:40 steht Arthur auf, um mit Badehose bewaffnet zum Strand hinter dem Fischrestaurant zu dem kleinen Kurpark zu laufen, um ein genüßliches Morgenbad zu nehmen. Den Automaten ignoriert er dezent, da er nur in der Zeit von 10-17Uhr Strandnutzungsgebühren abkassiert. Er benutzt einen Gartenstuhl der zwischen den Strandkörben steht um seine Garderobe abzulegen. Das Wasser ist warm und die Lufttemperatur schön angenehm. Auf den Seewasserstrassen sieht er schon zahlreiche Frachter. Er watet durchs Wasser und vor seinen Füssen suchen einige Schollen das Weite um nicht von ihm totgetreten zu werden. Er schwimmt ruhig und unter ihm spürt er Seetang, der sich so stark verdichtet, dass er dieses Seetangfeld nur auf dem Rücken schwimmend überqueren kann, bis er wieder seetangfreien Sand unter sich hat. Nach dem Schwimmen, auf dem Rückweg kauft er uns frische Brötchen beim Bäcker. Die Aussentemperatur ist angenehm und auf den gedeckten Frühstückstisch scheinen durch die Luken die warmen Sonnenstrahlen. Der Salon ist hell erleuchtet. Langsam wird der Hafen wach und die Fähren und Polizeiboote fahren aus.

Auf KursWir frühstücken ordentlich, machen alles klar zum Ablegen und nehmen dann Kurs auf Maasholm, unserem nächsten Zielhafen, so der Plan. Der Wind bläst ablandig und unsere Donald wird gegen den Steg hinter die Kaimauer gedrückt. Dies macht das Ablegemanöver nicht einfach. Ohne das Schiff vom Steg wegzudrücken, können wir hier nicht gut ablegen. Der Nachbar kommentiert unsere Versuche des Abdrückens mit der lockeren Bemerkung, dass man das Schiff mit 5 Mann „ganz easy“ aus der Box herausziehen kann. Naja! Ein Schnacker! Nichtsdestotrotz, wir greifen auf Winfrieds bewährte Ablegetechnik zurück. BB achtern an den Poller und dann nach BB Motor an. Das Ablegemanöver funktioniert und wir fahren wie zuvor gekommen auf der Stb-Seite der Fahrrinne. Ein Lotsenboot begrüßt uns mit einem schönen Schlinger als wir ihm unterwegs begegnen und als wir nach der zweiten Tonne das Verkehrstrennungsgebiet durchqueren kommt uns die „Rottweil“ ,ein Minensucher, entgegen. Die Fahrt geht zügig voran und wir fahren Richtung Schlei. Schon bald passieren wir die Lotseninsel und kommen an einem Minenleger vorbei, der am Anfang des Übungsgebietes liegt. Wir lassen das Übungsgebiet BB liegen. Es sind einige Schoner als 2 und 3 Master mit uns unterwegs, die unter Rahsegel Richtung Kieler Woche ziehen. Um 13:30 Uhr schieben sich langsam leider Wolken vor die Sonne. Zu essen gibt es heute etwas ganz besonderes: Selbstgemachten Sauerkrauteintopf von Jürgen. Schmeckt super und wir bewundern Juergens Kochkünste, oder ist Deine Frau doch die Köchin dieses Schmankerl? Nein, es kommt aus der Dose! Um schneller vorwärts zu kommen schalten wir den Motor dazu, den wir später wieder ausschalten da plötzlich der Wind landeinwärts auffrischt. Mit 4,5 Kn über Grund machen wir gut Fahrt. Über Radio verfolgen wir während unserer Passage die Hochwassernachrichten aus dem Binnenland und hören, dass bei Lauenburg an der Elbe der 10m Hochwasserstand noch nicht erreicht ist. Wir fahren weiter Kurs Vordemwind und entdecken durch die Wolken hindurch die Leuchttürme.Maasholm

Als wir die Schleimündung erreichen stellen wir die Donald in den Wind und nehmen die Segel runter um zu motoren. Ausgerechnet in dieser Phase, in der relativ schmalen Schleimündung mit ordentlichem Wellenschlag von achtern, kommt der Seenotrettungskreuzer aus dem Seegat angefahren und gibt, als er uns passiert, Vollgas. Das Schiff wird ordentlich durchgeschüttelt und wir mit. An der Schlei liegen Stb. die Leuchttürme und ein kleiner Hafen in dem ein moderner Tornado am Kai liegt. Wir fahren in Kolonne. Vor uns ein Klipper und eine Yacht. An BB zieht gerade ein Fischerboot sein, mit Plattfischen gefülltes Netz ein. Die Schlei hat einen guten Bestand an Plattfischen. Wir melden uns beim Hafenmeister an, der uns freundlicherweise erklärt, dass über 100 Boxen frei sind. Und plötzlich ist sie vor uns , die rotgrüne Tonne, unsere Ansteuerungstonne. Nach Stb um die Tonne herum und schon sind wir im Yachthafen von Maasholm. Auch hier legen wir achterwärts an. Der Hafenmeister ist kurz angebunden und begrüßt uns etwas dröge. Norddeutscher Schlag halt! Die Klipper, die uns einige Zeit begleiteten, fahren weiter mit Kurs Kappeln an der Schlei, ein kleines freundliches Städtchen, das unter Seglern Kult ist.

Hier, auf der kleinen Hafenpromenade sitzen und fangfrischen Fisch essen, dem allgemeinen An und Ablegen der Yachten zusehen, ist ein Genuss höchster Güte. Wir inspizieren erst einmal die sanitären Einrichtungen und sind sichtlich überrascht. Es sind die Besten die wir bislang auf dem Törn vorgefunden haben. Das ist wirklich in Ordnung. Wir machen uns etwas frisch und laufen Richtung Dorf um eine gepflegte Runde zu drehen. Ein schickes reetgedecktes Wikingerhäuschen imponiert uns sehr und auf die Frage nach dem Preis/Nutzungsdauer- Verhältnis gibt uns ein in der Nähe stehender Mann bereitwillig die Auskunft: Hält 40 Jahre und kostet 30000 Euro. Wir laufen weiter durch historische Sträßchen an deren Ende uns die dort liegenden Seenotrettungskreuzer wieder ins Auge fallen. Wir kehren in ein gemütliches Fischrestaurant ein und ich bestelle Labskaus, eine echte Seefahrermahlzeit, während die anderen Crewmitglieder But aus der Schlei und Dorsch Kabeljau bevorzugen. Labskaus ist durch den Wolf gedrehtes Fleisch mit Kartoffeln und einem Spiegelei. Dazu Hering. Es ist nicht ohne Grund durchgedreht, denn früher hatten die Seefahrer infolge der mangelhaften Ernährung an Bord, schon in jungen Jahren keine Zähne mehr, sodass sie zähes Fleisch nicht essen konnten. Da wurde halt die Nahrung durchgedreht und dann ging`s. Gleichzeitig konnte bei der Herstellung von Labskaus auch minderwertiges Fleisch verarbeitet (untergejubelt) werden, ohne das es groß auffiel. Wir schlugen uns den Magen ordentlich voll und als wir das Restaurant gesättigt verlassen, um zurück zur Yacht zu gehen, regnet es. Wir besuchen noch schnell den Seenotrettungskreuzer der mit seinem „kleinen Willi“ auf dem Achterdeck, bei uns einen bemerkenswerten Eindruck hinterlässt. Dieses kleine Beiboot, genannt der „kleine Willi“, wird im Seenotrettungsfall über eine kleine Rampe ins Wasser gelassen. So kann es unmittelbar am Ort des Notfalles direkt Hilfe leisten. Häufig kann das Mutterschiff wegen seiner Größe und widriger Wetterverhältnisse nicht so nah an den Unfallort heranfahren z.B. bei hohem Seegang. Ein kleines, wendiges motorstarkes Rettungsboot, genial! Es regnet immer noch als wir nun, visuell und per Mahlzeit, ordentlich gesättigt weiter über den Anglerkai zur Yacht zurücklaufen und den Tag ausklingen lassen.

Donnerstag den 13.06.2013

Das Wetter zeigt uns heute seine graue, regnerische Seite als wir den Tagesplan nach dem Frühstück besprechen. Es ist mit viel Wind zurechnen. Als wir den Hafen verlassen , sehen wir eine 49er an uns vorbeifahren. 2420`s und die Tornados fluteten ihre Kammern um starten zu können. Wir fahren bis zur Ansteuerungstonne und biegen dann nach BB ab. Es regnet Bindfäden und wir setzen nur die Fock. Yachten unter Vollzeug überholen uns. Wir sehen wieder Klipper und Schoner die unter Vollzeug Richtung Kieler Woche unterwegs sind. Winfried, unser heutiger Steuermann, traut der Wettersituation nicht so recht. Und siehe da, plötzlich nimmt der Wind zu und wir fahren mit bis zu 30 Knoten Wind durch die Flensburger Fördemündung nach Sonderborg. Der Wind nimmt weiter zu und ausgeprägte Schaumkronen umgeben unseren Kurs. Wir haben ein wenig Glück, denn die Wellenhöhe beträgt wegen der Fahrt unter Land nur 1-1,5m Höhe. Zunächst trimmen wir die Fock, später streichen wir sie.

SonderburgAm Hafen angekommen, können wir zunächst die Hafeneinfahrt nicht gut finden. Schließlich sehen wir doch die gelbschwarze Kardinaltonne, unsere Ansteuerungstonne, und fahren in den Yachthafen dieses kleinen Dörfchens ein. Winfried fährt vorwärts in die Box rein. Da der Wind von Achtern drückt fendern wir vorher sicherheitshalber den Bug und halten den Bug anschließend mit Strings in Position um dann endgültig die Donald festzumachen. Ein gelungenes Manöver! Mit uns läuft noch ein Schiff ein, deren Besatzung aus Nancy und Peau in Frankreich und aus Brüssel in Belgien kommt. Nachdem sie es vergeblich versucht hatten an einem anderen Steg anzulegen, legen sie sich unter den gleichen Vorsichtsmaßnahmen neben uns. Wir helfen beim Anlegemanöver und suchen verzweifelt nach der französischen Übersetzung des Wortes Strings. Wie immer frischen wir uns nach dem Schlag und vor dem Landgang ein wenig auf. Unser abendlicher Ausflug ins Städtchen führt uns über die lange Seepromenade, die mit Platanen bepflanzt ist. Installierte nackte Männer- und Frauenskulpturen aus Bronze finden unsere höchste Anerkennung.

Auch hier ist die Farbe der Häuser dänisch blau. Jürgen erzählt, dass eine Freundin in Sonderburg wohnte und arbeitete, jetzt aber wieder in Deutschland lebt.

Freitag den 14.06.2013

Windstärke 8

Mit teilweise Windstärke 8 zurück in Flensburg.

Der Törn

Insgesamt 216 Seemeilen.

Aufgeschrieben von Arthur Fedder in niederländisch. Übersetzt von Reinhard Lauber. Ergänzt und bearbeitet von Jürgen Loos.

Bilder: Törncrew WSVG09

Kartenausschnitte von © OpenStreetMap-Mitwirkende