WSVG 09 Dickschiffgruppe Segeltörn Mai 2014 Lübecker Bucht

9.5. Gronau

Gegen 12.00 Uhr Mittags am 09. Mai treffen sich Carsten, Jürgen und Mario bei Gerd um die Autos mit den schon zuvor gekauften Lebensmitteln und den persönlichen Sachen der Teilnehmer zu beladen. Wie schon beim letzten Törn fahren Mario und Jürgen, der danach noch Winfried aus Steinfurt abholt. Das vereinbarte Treffen der beiden Autos an der Raststätte Grundbergsee bei Bremen findet im strömenden Regen statt. Die von Ingrid Hüntemann vorbereiteten Gyros-Burger schmecken allen trotzdem fantastisch. Gegen 18.00 Uhr kommen wir in Heiligenhafen an – bei schönster Abendsonne – entgegen allen Wettervorhersagen, die die ganze kommende Woche Regen und dicke Wolken prognostiziert hatten. Nach der Anmeldung beim Vercharterer erfahren wir, dass unser Schiff schon

Der Name ist Programm
Der Name ist Programm

bezugsfertig ist. So starten wir zügig mit dem Bunkern der mitgebrachten Lebensmittelvorräte und richten uns auf unserer Yacht ein: Eine 37er Beneteau Oceanis mit dem Namen Rock ́n ́Roll. Der Name soll später noch zum Programm werden. Ein erster Bootsmanns-Check zeigt eine kleine Leckage im Kühlsystem des Motors. Der Mechaniker vor Ort kann aber zur Beruhigung aller den Schaden schnell beheben (Schlauchschellen müssen nur nachgezogen werden). Sonst macht auf den ersten Blick alles einen guten Eindruck – na ja, die

Yacht ist ja auch von Baujahr 2011.

10.5. Heiligenhafen

Die Rock n Roll
Die Rock n Roll

Alle haben irgendwie schlecht geschlafen und sind früh wach, aber voller Vorfreude auf den bevorstehenden Törn. Die Duschen im Hafen sind kalt – außer Jürgen duscht keiner. Nach einem kurzen Frühstück können wir das Schiff gegen 8.00 Uhr morgens, zum vereinbarten Zeitpunkt übernehmen. Nachdem alle Formalitäten erledigt sind besprechen wir nochmal die Fahrtroute für den heutigen Tag. Der ursprüngliche Plan von Heiligenhafen zunächst nach Gedser und dann den Törn über Warnemünde – Kühlungsborn – Wismar – Travemünde –Grömitz – Fehmarn – Heiligenhafen zu fahren verwerfen wir. Die Windrichtung soll die ganze Woche westlich sein und später aus Norden kommen. Somit hätten wir ab dem 2. Tag nur noch gegen den Wind kreuzen müssen. Wir beschließen deshalb zunächst nach Wismar zu fahren und dann von Tag zu Tag je nach Wind- /Wetterverhältnissen über das jeweilige Tagesziel zu entscheiden. Die Fahrt nach Wismar (ca. 55nm) ist, gemessen an unseren bisherigen Segeltörnerfahrungen, anspruchsvoll bei 5-6 Bft. Windstärke aus westlicher Richtung. So können wir Halb- und Am Wind

Knapp unter der Fehmarnsund-Brücke
Knapp unter der
Fehmarnsund-Brücke

Kurse nutzen. Wir haben Glück und können Regenschauern weitgehend ausweichen. Im Stadthafen legen wir hinter dem Nachbau einer historischen Hansekogge namens Wissemara (http://www.poeler-kogge.de) an. Nach einem sehr guten, von Winfrieds Frau Sonja vorbereiteten, Kartoffel- Hackfleisch-Auflauf machen wir noch einen kleinen Altstadt-Bummel mit Einkehr in die historische Brauhausschänke. Danach haben wir alle guuut geschlafen 😉 !

11.5. Wismar

Knapp unter der Nach einem üppigen Sontags-Morgen-Muttertags Frühstück und warmer! Fehmarnsund-Brücke Dusche verlassen wir Wismar gegen 10.15 Uhr – der ebenfalls auslaufenden Wissemara folgend in zunächst nördlicher, dann östlicher Richtung mit dem Ziel Kühlungsborn. Die Wetterfrösche prognostizieren westliche Winde ca. 5-6 Bft. und 1,5m Welle. Diese Vorhersagen sollen sich mehr als bestätigen. Die Logge zeigt an diesem Segeltag im Schnitt 6-7 Bft. in Böen bis 8 an. Die Wellenhöhe schätzen wir mit bis zu 2m. Bei Raumschot- bzw.

Die Wissemara
Die Wissemara

Vorwindkursen setzen wir nur unsere Genua gerefft und machen trotzdem 6-8kn. Auch die Wellen kommen von schräg achtern und Winfried spricht von einem „Kotz-Kurs“ weil es nicht nur kräftig auf und ab, sondern auch seitlich nach rechts und links geht. Die Gleichgewichtsorgane aller werden auf eine harte Probe gestellt (und nicht jeder besteht sie). Nach 6 Stunden „Rock ́n ́Roll-segeln“ sind wir dann aber trotzdem wohlbehalten in Kühlungsborn angekommen. Auch hier gibt’s ein nettes Brauhaus, das wir antesten. Danach machen wir einen Stadtbummel über die Promenade und suchen eine neue Segeljacke für Gerd, da sich seine alte in ihre Bestandteile auflöst. Leider finden wir nur Modekleidung. Das Abendessen, diesmal von Marios Frau Ulrike vorbereitet, schmeckt allen hervorragend. Auch die seekranken Mitglieder unserer Crew greifen kräftig zu und sind damit wieder genesen. Der Abend klingt aus mit einer langen und intensiven Törnplanung.

12.5. Kühlungsborn

Nach ausgiebigem First Class Duschen und einem kräftigen Frühstück starten wir gegen 10.00 Uhr in den nächsten Törntag. Aufgrund der Windvorhersagen, die die nächsten Tage konstant westliche Winde prophezeien, canceln wir die Idee weiter nach Osten nach Warnemünde zu segeln. Statt dessen starten wir auf Am-Wind-Kurs Richtung Westen. Bei wieder Windstärken um 6-7 Bft. und 1,5m

Erfolgreich angelegt
Erfolgreich angelegt

Welle versuchen wir Grömitz zu erreichen. Diesmal gibt’s Gott sei Dank keine Seekrankheitsprobleme. Es geht ja auch nur rauf und runter, aber nicht schlingernd zur Seite. Auf halber Strecke ändert sich die Windrichtung auf West- Süd-West, so dass wir entscheiden nicht Grömitz sondern Fehmarn, Hafen Burgtiefe, anzusteuern. Gegen 16.00 Uhr kommen wir nach etlichen Starkregen- und Hagelschauern wohlbehalten an. Das Rückwärts-Einparken am Rundsteg gestaltet sich schwieriger als gedacht. Sowohl Mario, als auch Winfried bekommen einen ungünstigen Radeffekt zu spüren. Dank der Hilfe eines freundlichen Stegnachbarn sind wir in der Lage eine Achterleine überzuwerfen und das Boot so zu verholen. Danach steht eine kurze Dorfbesichtigung auf dem Plan. Der Weg führt zum Hafen Burgstaken, wo wir ein Geschäft für Segelbekleidung und eine passende Jacke für Gerd finden.

13.5. Burgtiefe auf Fehmarn

Am Dienstag geht’s dann bei weiter westlichen Winden um 5-7 Bft. nach Travemünde, dass für uns auf Halb- und Am-Wind-Kursen gut

Der Viermaster Passat
Der Viermaster Passat

erreichbar ist. Es zeigt sich, dass unsere Rock ́n ́Roll wirklich eine „schnelle Wanne“ ist. Trotz bis zu 40° Krängung (unsere Scheuerleiste und die Lee Seite des Decks werden mehrfach gewaschen) erreichen wir mehrfach Rumpfgeschwindigkeit – ca. 9,5kn SOG (speed over ground) – und das mit gerefftem Groß- und Vorsegel! Der Wettergott ist uns meist wohlgesonnen. Unterbrochen von kleinen Regenschauern scheint fast durchgehend die Sonne. Gegen 16.00 Uhr erreichen wir die Trave-Mündung, passieren das Museumssegelschiff „Passat“ und machen nach einer kurzen Hafenrundfahrt im Yachthafen „Sonnenbrücke“ fest. Auch hier erkunden wir nach einem kleinen Ankunftsbier die Stadt und die verschiedenen Häfen. Der Viermaster Passat

14.5. Travemünde

Am Mittwoch verlassen wir Travemünde gegen 10.30 Uhr bei weiterhin westlichen Winden in Richtung Neustadt. Das Wetter klart auf und wir müssen bei ca. 4 Bft. am Wind kreuzen um unser Ziel zu erreichen. Unterwegs treffen wir die Bundeswehr Fregatte

Alles akurat in Grömitz
Alles akurat in Grömitz

Ludwigshafen, die gerade zu einer Übungsfahrt den Hafen verlässt. Gemeinsam mit 2 tieffliegenden Jagdflugzeugen werden wohl Kämpfe zwischen Flugzeug und Schiff geübt – so vermuten wir. Gegen 13.20 Uhr erreichen wir den Hafen von Neustadt passend für eine kleine Kaffee- und Kekse- Pause an der Kaimauer nahe dem Stadtzentrum. Danach schließt sich die obligatorische Stadtbesichtigung an (mit sehr schöner, sehr alter Backsteinkirche). Ausgeruht und gestärkt geht es in den 2. Teil unserer Tagesetappe in Richtung Yachthafen Grömitz. Jetzt können wir Halb-, Raum- und Vorwindkurse z.T. mit Schmetterlingssegeln nutzen. Gegen 17.00 Uhr erreichen wir unser Ziel. Auch hier erkunden wir die Umgebung durch einen kleinen Spaziergang. An der Pier-Web-Cam rufen wir unsere Familien an und können dann „live“ nach Hause winken. Das Abendessen lassen wir uns dann in einer kleinen Pizzaria am Strand schmecken. Der Abend klingt dann feucht-fröhlich mit „Havanna Club“ und Gesellschaftsspielen aus (Für Eingeweihte: Der Gewinner darf die Prinzessin mit ins Bett nehmen 😉 ).

15.5. Grömitz

Eine neue Erfahrung: Der Genaker
Eine neue Erfahrung: Der Genaker

Am Donnerstag entscheiden wir, den letzten kompletten Segeltag mit einigen Hafenmanövern zu beginnen. Unter Winfrieds Anleitung üben Carsten, Jürgen und Mario rückwärts in die Box „einparken“. Anschließend verlassen wir den Hafen bei einer sanften Brise von 2-3 Bft. aus nordöstlicher Richtung. Nachdem wir immer weniger Fahrt machen, holen wir den Genaker aus der Backskiste, sortieren die zugehörigen Schoten und Blöcke sowie den Bergeschlauch und ziehen das Teil hoch. Das führt dann auch zu etwas mehr Geschwindigkeit, allerdings auf Kosten der Höhe. Nach ca. 1 Stunde entscheiden wir dann die Segel zu bergen und die „Unterwasser-Genua“ (=Motor) zu setzen. Nach ungefähr 1 Std. Motorfahrt erreichen wir eine Position, von der wir auf nördlichem Kurs am Eine neue Erfahrung: Der Genaker Wind wieder die Segel setzen können. Das erste Mal auf diesem Törn genießen wir die Sonne. Auf diesem gemütlichen Kurs serviert uns Gerd gegen Mittag ein schmackhaftes Dosenmenü: Frikadelle in Karotten-Kartoffel Eintopf mit Jogurt Nachtisch und abschließendem Kaffee – welch ein Luxus! Am späten Nachmittag schläft der Wind dann gänzlich ein, so dass wir das letzte Stück durch den Fehmarn Sund wieder unter Motor fahren. Ziel: Hafen Orth auf Fehmarn. Wir sind alle ganz begeistert von diesem kleinen knuffigen Yachthafen, der mit mehreren in der Abendsonne gelegenen, Hafenrestaurants aufwarten kann. Wir entscheiden uns für griechische Küche und lassen den Abend bei Ouzo, Gyros, Souvlaki, Suzuki etc. gemütlich ausklingen. Orth auf Fehmarn

16.5. Orth auf Fehmarn

Orth auf Fehmarn
Orth auf Fehmarn

Da wir nicht weit von unserem Heimathafen entfernt sind, lassen wir es am letzten Tag ruhig angehen. Nach dem Frühstück segeln wir noch einige Übungsmanöver und Jürgen kann schon mal für den Prüfungstörn in 2 Monaten proben. Pünktlich gegen 13.00 Uhr können wir unser Boot getankt und gereinigt abgeben. Insgesamt sind wir ca. 233 nm weitgehend unter Segel gefahren. Ein Spitzen-Segel-Törn ist zu Ende.

Das Team: Gerd, Winfried, Mario, Jürgen und Carsten
Das Team: Gerd, Winfried, Mario, Jürgen und Carsten

Bericht der Dickschiffgruppe Mai 2014 in der Lübecker Bucht.