Lange träumte die Wassersportabteilung von Vorwärts Gronau von einem Internetanschluss am Drilandsee. Nun ging der Wunsch endlich in Erfüllung.

Jahrelang spukte der Wunsch in den Köpfen der Wassersportler von Vorwärts Gronau: Ein Internetanschluss im Vereinsheim. Was könnte man damit alles anstellen: Segel-Lehrfilme aus dem Internet vorführen, Regattaergebnisse live eingeben, eine Webcam auf den See richten, aktuelle Wetterdaten ins Netz stellen, die Heizung aus der Ferne regeln, Freifunk und und und…  Doch das große Problem: Es lag dort keine Telekom-Leitung. Zum Kabel an der Straße trennten unbarmherzige sechzig Meter und damit Kosten im vierstelligen Bereich.  Damit rückte der Traum in weite Ferne. Da meldete die Traditionsabteilung von Vorwärts Gronau ebenfalls ihr Interesse an einem Anschluss an. Sie wollten eine Videoüberwachung ihres Geländes. Doch auch wenn man sich die Kosten teilte, so waren sie dennoch für einen Verein zu hoch. Da kam ein Mitglied, der zufällig Telekom-Mitarbeiter ist auf den Plan. Er schlug nicht nur vor, den Anschluss selber zu legen, sondern organsierte die zuvor notwendigen Schritte bei der Telekom. Anhand von Plänen musste zunächst das Kabel an der Straße gesucht werden. Dieses wurde relativ schnell durch Graben gefunden, wieder zugeschüttet und der Ort mit einer Latte markiert.

Jetzt musste noch eine sogenannte Grundstückseigentümererklärung her. Damit erlaubt der Grundstückseigentümer, dass „Vorrichtungen“ angebracht werden dürfen. Diese  Erklärungen gab es schon bei der Reichspost zu Kaiserszeiten. Man hat sie wohl bei der Privatisierung vergessen abzuschaffen. Warum braucht man so eine Erklärung eigentlich nicht für die Sanitärfirma, bevor sie eine Toilettenschüssel installiert? Egal, der Antrag wurde ordnungsgemäß bei der Stadt Gronau als Grundstückseigentümer eingereicht. Wochenlang passierte jedoch nichts. Die Stadt Gronau behauptete, diese an die Telekom geschickt zu haben. Die Telekom konnte diese jedoch nicht finden. Kurz bevor man eine Neue einreichen wollte, tauchte die Gesuchte bei der Telekom auf. Doch jetzt legte  sich eine neue Barriere  in den Weg: Das Vereinsheim hatte keine offizielle Hausnummer. Seit Urzeiten wurde geglaubt, es wäre Brechter Weg 15b, war es aber nicht. Einfache Logik der Telekom: Keine Hausnummer-kein Anschluss. Ich erklärte der Telekom, mit dieser Logik könne man ja nie einen Internet-Hotspot z.B. auf einem Parkplatz ohne Gebäude errichten. Ein Innovationshindernis in Deutschland! Aber es half nichts. Eine Nummer musste her. Also wieder zur Stadt mit einem dringenden Bittgesuch: Antrag auf eine Hausnummer.  Wir fürchteten einen langen Amtsweg mit Formblättern und Lauf durch viele Amtsstuben. Doch nein, einen Tag später war die Hausnummer formlos da. Die dreizehn, wie konnte es anders auch sein. Stolz wurde die Nummer der Telekom überbracht, doch die brauchte sie inzwischen gar nicht mehr. Man hatte einfach die 15 genommen. Wir hatten eine Hürde beseitigt, die gar keine war. Immerhin haben wir jetzt eine offizielle Hausnummer .  Ob ein Postbote tatsächlich Briefe dahin bringt, muss noch getestet werden.

Fleißige Helfer am Vereinshaus
Fleißige Helfer am Vereinshaus

Nun konnte es also losgehen. Samstag, der 29.05.2015. Der Wetterbericht drohte mit Regen im Laufe des Vormittags. Erdkabel und Leerrohr waren besorgt, ein kleiner Bagger organisiert. Generationenübergreifend fanden sich  Helfer ein: Von der Jugend der Wassersportabteilung bis zu den Senioren der Traditionsgemeinschaft. An diesem Samstag-Vormittag wurde dann gebuddelt, was das Zeug hielt. Von oben drohten die dunklen Wolken. Da seit der ersten Ortungs-Grabung mehrere Wochen vergangen waren, konnte die Markierung des Kabels an der Straße nicht mehr gefunden werden. Diesmal ließ sich das Kabel nicht so leicht entdecken. Das Erdloch und die Verzweiflung wurden immer größer. Nachdem sich ein beachtlicher Berg angehäuft hatte, kam dann der erlösende Jubelschrei, als hätte man eine Goldader entdeckt. Schlank und schwarz lag das ersehnte Kabel da. Mit kleinen Telefonhörern drauf. Es war also kein Stromkabel, das uns in die Irre führen konnte.  Die dunklen Wolken trübten die Freude ein wenig. Dann konnten sie die Feuchtigkeit nicht mehr halten und vergossen ihre Freudentränen über uns. Ein Wolkenbruch ließ das Kabel  im Wasser versinken. Doch nun konnte es nicht wieder völlig verschwinden.  Pünktlich vor dem Wolkenbruch  war glücklicherweise der lange Graben fertiggestellt und unser Kabel mit Schutzrohr hineingebettet worden. Auch dieses versank im Wasser, doch das war nicht schlimm.  Erdkabel sind wasserdicht.

Jetzt nur kurz bei der Telekom Bescheid sagen, damit sie unser Kabel auch anschließt. Doch Wochen und viele Anrufe vergingen, ohne dass sich etwas tat. Ackerwinden schlängelten sich mittlerweile um die Absperrung des offenen Grabens. Alle paar Tage schaute jemand nach, ob sich schon etwas getan hatte und ob das Trassenband noch ordnungsgemäß um das Loch flatterte. Doch das nicht angeschlossene Kabel reckte sich dem Betrachter wie ein ausgestreckter Mittelfinger trotzig entgegen. Dann nach langer Zeit war das Kabel plötzlich verbunden. Das Erdloch wurde endlich zugeschüttet. Die Freude war groß. Doch nein, wieder zu früh gefreut. Es musste erst noch ein weiterer Punkt vorne im Telekom-Kabel angeschlossen werden. Warten, nachfragen, warten Nachfragen-die Zeit verging, die Nerven wurden dünner. Dann endlich: Fast unbemerkt wurde die Lücke im Kabel geschlossen. Doch die Funktion: Fehlanzeige. Unglaublicher Weise musste die Kabel-Firma jetzt noch die Schalt-Unterlagen berichtigen. Diese ließ sich aber von der Telekom nicht drängeln. Mittlerweile wurden die Blätter an den Bäumen gelb. Da wurde „Telekom hilft“ bei Facebook eingeschaltet. Die verwiesen auf eine Hotline, die auch nichts Näheres wusste. Schließlich wurde eine Beschwerde-Mail nach Bonn geschickt. Daraufhin meldetet sich ein netter Herr, der die Firma aber auch nicht zum Unterlagen-Berichtigen bewegen konnte.

Das neue Jahr kam. Die Natur begann wieder zu grünen, als ein Brief der Telekom in die Vorwärts-Geschäftsstelle flatterte. Dort stand, dass der Anschluss am 15.04. 2016 von zwischen 8 und 10 Uhr eingerichtet wird. Man solle für den freien Eintritt in dieser Zeit sorgen und einen Router bereithalten. Nun nichts wie zum T-Shop, um einen Router zu bekommen. Den kann man günstig mieten. Aber nicht jeder darf das. Nur der Vorsitzende des Vereins. Und auch nur der bekommt  die Zugangsdaten. Außer man hat eine Vollmacht. Das wird knapp. Immerhin waren es nur zwei Tage bis zum Anschluss. Also Hals -über-Kopf eine Vollmacht besorgen und voller Stolz wieder hin. Zwar gab es jetzt die Zugangsdaten, aber nicht den Router. Den bekommt man bei Miete nur nach Hause geschickt und das dauert mindestens zwei Tage. Aber wenn man den kauft, kann man ihn sofort mitnehmen. Zähneknirschend wurde das Ding gekauft.

Der große Tag des Anschlusses rückte näher. Damit ich nicht am 15.04. 16 von zwischen 8 und 10 Uhr umsonst im Vereinsheim herumsitzen würde, rief ich die Telekom-Hotline an. Ich erklärte, dass es sich nicht um ein normales Wohnhaus handelt, sondern um ein unbewohntes Vereinsheim im Erholungsgebiet. Ich hinterließ meine Handy-Nummer damit der Kollege mich anrufen soll, falls etwas dazwischen kommt. Alles wurde bei der Hotline mit viel Verständnis brav notiert. Der „Kollege“ hätte Zugriff auf die Infos und würde sich sicher melden. Noch sicherer meinte ich, wäre doch, wenn ich auch die Nummer vom Kollegen hätte, falls mal was von meiner Seite sein sollte. Oder er das Vereinshaus nicht findet. Schließlich ist es durch einen Schranke von der Außenwelt getrennt und hat gar keine Hausnummer. Das war aber nicht möglich. Nummern der „Kollegen“ werden nicht herausgegeben. Na ja, wenn das mal klappt, dachte ich nach den bisherigen Erfahrungen. Vereinsmitglieder machten mir da auch nicht viel Mut: Das wird nicht funktionieren, meinten sie. Der „Kollege“ wird behaupten, keinen angetroffen zu haben. Das machen die Paketboten auch so. Kurz klingeln, schnell weg, Kunde nicht angetroffen.  Da kann man wirklich Mut schöpfen. Kurz vor acht war ich im Vereinsheim. Es tat sich nichts. Niemand war beim Blick aus den Fenstern zu entdecken. Auch aus Richtung See kam nichts. Das Handy blieb stumm. Fünf nach zehn Uhr setze ich mich gefrustet ins Auto und fuhr nach Hause. Dabei kam mir ein Gedanke: Was hätte der Telekom-Mitarbeiter eigentlich gemacht, außer mir die Hand zu schütteln? Unsere Vereins-Fachleute hatte doch schon alles angeschlossen. Also sagte ich unserem Internetwart, er soll es doch einfach ausprobieren. Und oh Wunder, alles funktionierte. Niemand wollte es so richtig glauben, bis die ersten positiven Meldungen kamen. Ein Jogger wunderte sich, dass er vor dem Wassersport-Vereinsheim plötzlich per Freifunk ins Internet kommt. So wird er hier nun regelmäßig verschnaufen und seine erlaufenden Daten live im Internet veröffentlichen können.  Den verbrauchten Sauerstoff in Litern und den Spitzenwert der Herzfrequenz. Also alles, was die Freunde in Facebook unbedingt wissen müssen.  Der Drilandsee ist nun noch attraktiver geworden.

Man darf eben nie aufgeben.

Jürgen Loos